NOVEMBER RAIN. ☂

Zwischen den Fassaden schmeißen sich die Echos der Tropfen hin und her.



Trüb. Kühl. Die letzten bunten Blätter schiebt der Wind über die Gehwege. Die Scheibe fängt immer mehr kleine Tropfen ein. Die vorbei gehenden Menschen gehen langsamer und zäher als sonst in ihren schweren, braunen Schuhen. Die Mäntel bis zur Nasenspitze zu gesurrt. Die Lippen hinter den dicken Kragen und Schals fest aufeinander gepresst. Die Augen starr widerspiegelnd, was der graue Himmel aussendet. Fast nur dunstiges Licht zieht sich durch die Straßen. Schwer hängt dieser Nebel zwischen den Fassaden. Die kahlen Bäume lassen ihn noch mehr verwirbeln. Der Asphalt, der sich mit groben Pflastersteinen Straße an Straße reiht, glänzt feucht im Grau des Tages. 

Die Scheibe füllt sich. Runde, bauchige Tropfen perlen an ihr herab. Das Grau legt sich immer mehr auf die Welt. Überhäuft sie mit Melancholie. Malt sie zäh & trüb. Müde sogar. Jeder Schritt so schwer, wie die Regen vollgestopften Wolken. Drückend ziehen diese farblosen Massen über den Köpfen entlang. Wirken der Schwebe entgegen. Halten den groben Staub der Gemüter fest an Ort und Stelle. Drücken ihn zurück zur Erde. Bringen sein Vibrieren zur Ruhe. Lassen ihn wie fallende Glasscherben im Licht glitzern. Greifbar machend.
Die Tasse, verlassen, neben dem Buch auf dem Tisch. Dampfend steigen kleine, helle Wolken aus ihr herauf. Verflüchtigen sich ziemlich zügig. Doch sein Duft bleibt in der Nase hängen. Nach Herbst duftet es. Regen, der von draußen hinein schwingt und an die Scheibe klopft. Es ist, als ob man raschelnd durchs Laub rennt. 

- Wie wir als Kinder, damals. – 

Doch jetzt wirkt der Druck wieder, die Erdanziehung wurde über die Jahre stärker. Deswegen dieser Tee. Zum Festhalten, zum ganz kurz träumen. Er umschleicht deine Sinne. Er ist wie eine Umarmung, wenn man vor den verstummten Schaufenstern steht. Die Kälte dieser grauen, dunstigen Novembertage unter die Mäntel fährt und die Haut kitzelt, dann ist es, als ob dich jemand umarmt, ganz fest, sein Atem auf deiner Haut entlang kriecht und deinen Nacken umschließt. All das und dieses Kribbeln und noch viel mehr löst er aus. Er erschafft deine kleine Welt. Löst die Erinnerungen, um sie wieder sichtbar zu machen. Nur für dich allein. Nur für diesen kleinen Moment, in dem du an ihm nippst und die Augen schließt.
Seine Dampfschwaden legen sich von innen an die Fenster, wie unser feuchter Atem, der in der Luft Wölkchen formt, wenn wir unsere Hände gegen die Scheibe legten, um hinein zu starren, in die Fenster. Der Tag über unseren Köpfen langsam zu Ende geht. Die tauben Grauen am Himmel entlang ziehen und hin und wieder mit uns durch die Matten Scheiben starren auf der Suche nach den kleinen Wundern zwischen den irisierenden Scheiben. Welten austauschend. Kommen zur Ruhe, die Tauben auf den letzten Antennen unserer Dächer. Jagen dem letzten Atemzug der Freiheit nach.
Erinnerst du dich wie wir in die Handschuhe hauchten, uns anschauten, lachten, weil es einfach nichts brachte, außer, dass die Lippen spröde von der Kälte wurden? Erinnerst du dich, wie wir sie dann ineinander legten und es doch etwas wärmer wurde? 
Wir umschlossen vom Grau, vom Regen, von Stille, vom zähen Abend, der noch grauer wurde. Von der Einsamkeit. Gemeinsam einsam. 
Und manchmal, wenn die Sonne sich durch gekämpft hat und man am Rande der Häuserzeilen dieses kleine, goldene Licht sieht, was die rauchenden Schornsteine kitzelt, dann weiß man, man ist angekommen. Irgendwo zwischen den kalten, grau verregneten Fassaden und dem heißen, duftenden, Träume beladenen Tee in den Händen.



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